Ich kenne es rein beruflich inzwischen sehr gut, wenn Menschen von einem gehen



Ich kenne es auch sehr gut, Menschen dahin zu begleiten und bis zum letzten Atemzug für sie da sein zu dürfen/ können. Es gibt keinen dankbareren Job, als diesen. Wiederum muss ich auch erwähnen, dass jeder Abschied „belastend“ ist, denn immerhin redet man hier vom Tod und nicht mehr von einem kranken Menschen.

Ich habe allerdings gemerkt, dass die Realität einem die Freude an diesen Job nicht unbedingt gönnt. Wenn man unter ständigem Zeitdruck steht und Personalmangel in alle Richtungen vorhanden ist, muss man Mensch sein und den Job wechseln. Ich habe damals in der Ausbildung meine Chefin fragen müssen, weshalb manche Menschen so „kalt“ gegenüber unseren Patienten sind. Ihre Antwort war:“ Christin, wenn du das ein paar Jahre machst wirst Du sehen, das es Dir genauso gehen wird.“ Ich habe nicht schlecht geguckt und wählte folgende Worte. „Wenn ich einmal spüren sollte, dass ich mich nur ansatzweise in diese Richtung entwickle, dann höre ich auf und suche mir etwas anderes“

Aufhören, wenn es am schönsten ist!



Und siehe da, einige Jahre habe ich es vereinbaren können. Vereinbaren mit der Liebe an der Arbeit, mit dem Umgang meiner Patienten, mit der Freude morgens los fahren zu können und und und.. Heute arbeite ich in einem Marketing Unternehmen und denke gerne zurück. Erschreckend oder? Immerhin war dies einmal mein Beruf und das nicht aus der Not heraus, sondern weil ich gerne helfe und da bin. Einfach für jeden, der es brauch. Tja, aber genau das scheint in meinem Beruf nicht unbedingt die richtige Einstellung zu sein. Meine Einstellung müsste wie folgt lauten: Kein Privatleben mehr, Pflege am Patienten – kurz und schnell – Umgang mit Patienten – keine Zeit – Hauptsache das Geld stimmt. Wo Ende und Feiertag erhalten für mich eine andere Bedeutung—und das wichtigste ist –Liebe in meinem Beruf? Nein, dafür ist weder Zeit, Verständnis noch Geduld vorhanden--. Ich denke, diese Faktoren reichen, um den Beruf wechseln zu können/ müssen. Solange die Realität mehr Einfluss auf die Pflegebedürftigkeit trägt, als der Mensch und die Zeit mit denen, ist es für mich auch keine Option mehr zurückzugehen.

Dort, wo ich nun arbeite, trage ich sehr viel Freude und ich habe die Chance, es mit der richtigen Arbeitszeit für meine Kinder, gestalten zu können. Ich bin nicht Mama geworden, um meine Kinder rechtzeitig auf Selbstständigkeit trimmen zu müssen. Zum einen trage ich Verantwortung und eine Vorbildfunktion und diese gebe ich entsprechend weiter. Ich stehe jeden Morgen auf und zeige meinen Kindern, dass eben nichts umsonst kommt. Allerdings bewahre ich Vorsicht, denn ich möchte sie nicht im Vorfeld verrückt machen.

Es wird eine Zeit kommen, in welcher sie es schwer haben werden und sie werden ebenso rechtzeitig auf eigenen Beinen stehen müssen, aber das heißt nicht, dass ich nicht für den Rest des Lebens hinter Ihnen stehe.

In diesem Sinne, Tini.

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